Hat das Judentum in Deutschland eine Zukunft?
Subjektive Innenansichten eines Außenstehenden
Der Riß, der sich durch die Fassade des 1986 eingeweihten Jüdischen Gemeindezentrums in Frankfurt zieht, ist nicht von selbst entstanden. Er ist gewollt; wohlkalkuliert vom jüdischen Architekten (Salomon Korn) geplant, sorgfältig von gutausgebildeten deutschen Bauarbeitern realisiert. Ein Riß aber kann nur dort entstehen, wo vorher etwas Ganzes da war. Diese „Ganze“, dessen Riß durch den Holocaust hier symbolisch dargestellt wird, soll nach Meinung des Architekten und seiner Auftraggeber wohl so etwas wie das „deutsch-jüdische Zusammenleben“ (der von Deutschen gerne verwendete Begriff „Symbiose“ geht wahrscheinlich auch ihnen nicht über die Lippen) oder die „deutsch-jüdische Kultur“ gewesen sein. Doch es wird damit etwas symbolisiert, was es nie wirklich gegeben hat, und die Geschichte der Juden in Deutschland auf die „Wasserscheide“ Holocaust reduziert. Lediglich in den letzten hundert Jahren vor dem Holocaust begannen sich Juden in Deutschland als deutsche Juden zu identifizieren, und dies meist unter Vernächlässigung ihrer jüdischen Wurzeln und vollständiger Identifizierung mit dem Deutschtum. Aber diese Liebe war einseitig und wurde von den Deutschen kaum erwidert; und wenn, dann nur im Sinne eines Programms vereinnahmender Assimilierung. Es gab kein deutsch-jüdisches „Miteinander“, sondern im besten Falle ein „Nebeneinander“, meist jedoch ein „Gegeneinander“.
Aber vielleicht kann man den Riß auch anders interpretieren; als Riß zwischen der geistigen Armseligkeit der heute in Deutschland lebenden Juden und der reichen Vergangenheit spezifisch jüdischer Werte vor dem Holocaust. Diesen Riß gibt es wirklich, und ihn lohnt es sich zu reparieren – doch ist dies überhaupt möglich?
Reiche Vergangenheit
Das Judentum in Deutschland hat in der Tat eine überaus reiche Vergangenheit. Damit meine ich nicht die zahlreichen jüdischen Künstler, Wissenschaftler oder Industriellen, die zumal seit der Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert in einem weit überdurchschnittlichen Maß ihren Anteil – zur deutschen Kunst, Wissenschaft oder Wirtschaft beitrugen. Sondern vielmehr die spezifisch jüdischen Leistungen: Die Exegeten der Bibel und Kommentatoren des Talmud, die Dezisoren und Kodifikatoren der jüdischen Gesetze, die Verteidiger des Judentums gegen die Attacken der Antisemiten und die geheuchelten Umarmungen ihrer vermeintlichen Wohltäter. Alle diese Leistungen auf dem gesunden Nährboden vorbildlich strukturierter jüdischer Gemeinden, erbaut und erhalten von ihren G´tt und seiner Thora treu ergebenen jüdischen Männern und Frauen, unter geistiger Führung hochrespektierter Rabbiner. Von Rabbenu Gerschom im 10. Jahrhundert bis zum Holocaust war das deutsche Judentum prägend und zentral für die Entwicklung und das Überleben des jüdischen Volkes im Exil.
Post-Holocaust-Judentum auf den Trümmern der glanzvollen Vergangenheit
Aus naheliegenden und einschlägig bekannten Gründen konnte das Judentum in Deutschland nach dem Holocaust nicht an diese glanzvolle Vergangenheit anknüpfen. Nur wenige Juden hatten das „dritte Reich“ in Deutschland selbst überlebt, und noch kleiner war die Zahl derer, die aus dem Exil zurückkehrten. Und dies nicht mit dem Ziel, das deutsche Judentum wieder aufzubauen, sondern aus diversen persönlichen Gründen: Um in der SBZ und späteren DDR den Sozialismus mit aufzubauen etwa, oder einfach nur weil sie den Verlust der alten Heimat nie verwunden hatten und im Exil nicht Fuß fassen konnten. Die meisten Juden im Deutschland der Nachkriegszeit aber waren Holocaustüberlebende aus Osteuropa, die sich nicht bewußt für ein Leben im Land der Täter entschieden hatten, sondern dort einfach nur hängengeblieben waren und meist bis zu ihrem Tod hartnäckig behaupteten, irgendwann doch noch Deutschland verlassen zu wollen: „Wir sitzen auf gepackten Koffern!“. Und auch den Nachgeborenen, der zweiten Generation (der auch ich angehöre), war es meist irgendwie peinlich, als Juden in Deutschland zu leben – und daher behaupteten auch sie, eigentlich nur auf gepackten Koffern zu sitzen.
Diese sehr heterogene Gruppe, noch dazu eine winzige Minderheit -wenn vor dem Holocaust fast 600.000 Juden in Deutschland gelebt hatten, so waren es im Nachkriegsdeutschland nur noch etwa 30.000- war nicht in der Lage und auch nicht wirklich daran interessiert, wieder Strukturen jüdischen Lebens aufzubauen. Für meist schlecht besuchte Synagogen, deren Bau vom an Versöhnung und Wiedergutmachung interessierten Staat bezahlt wurde, reichte es noch. Und natürlich auch für einen schönen jüdischen Friedhof. Aber die Grundbedingung einer Kontinuität jüdischen Lebens, die Vermittlung jüdischen Wissens und jüdischer Werte an die nächste Generation, wurde vernachlässigt, und auch die sonstige jüdische Infrastruktur (koschere Lebensmittel, Mikwaot und anderes) war kaum vorhanden. Die Rabbiner, deren Aufgabe es eigentlich gewesen wäre, geistige Führer und Vermittler der reichen jüdischen Tradition zu sein, waren, durchaus im Sinne der mächtigen Gemeindevorstände, bloße Zeremonienmeister, und wurden dafür gut bezahlt. Man könnte sagen, dass sie Schweigegeld erhielten, damit sie den Mund hielten und niemanden verraten, was authentisches Judentum wirklich ist.
Anstatt also die ewigen Werte der Thora zu vermitteln und als Grundlage jüdischen Lebens zu praktizieren, versuchte man die Identifikation mit dem Judentum über die säkularen Surrogate „Holocaust“ und „Staat Israel“ herzustellen. Die Jugend wurde zur Machane (Feriencamp) nach Sobernheim geschickt, um israelische Volkstänze zu lernen und Falafel zu essen. Und das Machane war dann erfolgreich, wenn wenigstens ein Schidduch zustande kam: Sexuelle Attraktion als Mittel zur Sicherung der jüdischen Kontinuität anstatt Vermittlung jüdischer Werte. Daher blieb jedem, der an einem etwas höherem Grad der Religiosität interessiert war, nur die Auswanderung in Länder mit besser organisierten jüdischen Gemeinden übrig, und durch Auswanderung und Heirat mit Nichtjuden sank die Zahl der Juden in Deutschland kontinuierlich. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich bis auf wenige Großgemeinden, in denen immerhin eine gewisse jüdische Infrastruktur vorhanden war, alle jüdischen Gemeinden in Deutschland auflösen würden. In meiner Generation kursierte der Witz über die Gemeinde, in der nur noch ein einziger Jude übriggeblieben war, und als er seinen Tod kommen spürte, ging er auf den jüdischen Friedhof, legte sich ins vorbereitete Grab, und machte dann den Sargdeckel selbst hinter sich zu.
Doch plötzlich und völlig unerwartet erhielt das Post-Holocaust-Judentum in Deutschland eine neue Chance. Zunächst, als Gorbatschow vorsichtig die Grenzen zu öffnen begann, noch tröpfchenweise, aber dann, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in einer wahren Flutwelle, begannen Juden, meist aus Russland und der Ukraine, jedoch auch aus den baltischen Republiken, Georgien, Usbekistan, Moldavien, kurz: aus allen Teilen des auseinandergefallenen Riesenreiches, nach Deutschland zu strömen, wo sie vom Staat als Garanten der Wiedergutmachung, als ein fetter Schlußstrich unter die Nachkriegszeit des wiedervereinigten Deutschlands, gerne aufgenommen wurden, zumal sie auch meist gut ausgebildet und leicht integrierbar waren. Die großen Gemeinden wurden noch größer, viele schon fast tote kleine Gemeinden wurden wieder zum Leben erweckt, und mancherorts entstanden neue jüdische Gemeinden in Städten, in der seit dem Holocaust keine mehr existiert hatte. Innerhalb weniger Jahre konnte sich die Zahl der Juden in Deutschland etwa verfünffachen.
Vom Post-Holocaust zum Post-Post-Holocaust? Die Gegenwart
Doch leider wurde auch diese Chance vertan. Die etablierten Gemeinden machten weiter wie bisher, und auch die neu entstehenden brachten keine Besserung. Es ist zwar richtig, dass die meisten neuen Mitglieder, in der atheistischen Sowjetunion sozialisiert, kein wirkliches Interesse an jüdischem Leben hatten, sondern einfach nur so schnell und gut wie möglich in Deutschland integriert werden wollten. Aber nicht wenige Juden aus der ehemaligen Sowjetunion waren gerade deshalb, weil sie ohne Wissen über das Judentum aufgewachsen waren, sehr interessiert daran, zu lernen und auch jüdisch zu leben. Dieses Interesse wurde selten gefördert, häufig belächelt und manchmal geradezu unterdrückt.
Die Aufbruchsstimmung, die sich am augenscheinlichsten im Bau einer Reihe neuer Synagogen und Gemeindezentren zeigte, war also schnell wieder vorbei.
Daher kann es nicht verwundern, dass die Mitgliederzahlen der Jüdischen Gemeinden schon lange wieder im Sinkflug begriffen sind: Waren es 2005, auf dem Höhepunkt, noch 108.289, so sank die Zahl bis 2022 auf 90.885, also um etwa 16%. Hierbei sollte angemerkt werden, dass im gleichen Zeitraum die Zahl evangelischer Kirchenmitglieder um 25%, die katholischer um 20% sanken (alle Angaben lt. www.de.statista.com); jedoch ist die soziale und religiöse Bindung von Juden an ihre Gemeinden traditionell viel stärker als die von Christen der führenden Denominationen.
Und trotz alledem, einiges begann sich doch zum Besseren zu wandeln. Meist nicht in den Gemeinden zwar, aber in einer langsam wachsenden „Parallelkultur“. Die Lauder-Stiftung investierte in den Aufbau diverser Bildungsprogramme, darunter als „Flagschiff“ die Jeschiwa in Berlin. Diese Jeschiwa war zunächst im Vorderhaus der Gemeindesynagoge in der Rykestraße untergebracht, um dann später in ein eigenes Gebäude in der Brunnenstraße umzuziehen. Rund um die Jeschiwa, mittlerweile nicht mehr von Lauder finanziert, begann dann eine selbstständige Gemeinde mit umfassender Infrastruktur zu entstehen. Chabad-Lubawitsch wurde in Deutschland aktiv, zunächst durch Entsendung von Rabbinern, die im Rahmen der bestehenden Gemeindestrukturen arbeiteten, und später immer selbstständiger. In Berlin und andernorts entstand dadurch eine weitere „Konkurrenz“ zu den offiziellen Jüdischen Gemeinden. Die von Chabad-Lubawitsch entsandten Rabbiner waren durchwegs gut ausgebildet, engagiert, ehrlich und geradlinig, kurz: ein erfrischender Gegensatz zu den „Dienst nach Vorschrift“ leistenden und wenig inspirierenden Rabbinern, die die Juden in Deutschland bislang gewohnt waren. Daneben entstand im Rahmen der Arbeit der Jeschiwa in Berlin auch ein Rabbínerseminar, dessen Absolventen meist im Rahmen der bestehenden Gemeinden (also unter nicht immer einfachen Verhältnissen) vorbildliche Arbeit leisten. Ein weiterer Meilenstein war 2003 die Gründung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD), die damit die bisherige Zwangsehe mit liberalen Rabbinern in der Deutschen Rabbinerkonferenz (DRK) beenden konnte.
Und aus einer weiteren, ganz unerwarteten Richtung entstand dem traditionellen Judentum in Deutschland eine weitere Chance: Viele liberale Juden, die sich in den von ihnen als „orthodox“ empfundenen Einheitsgemeinden nicht repräsentiert fühlten, traten aus diesen aus und gründeten eigene Gemeinden oder Synagogen. Viele dieser Gemeinden gehören auch nicht dem Zentralrat an, sondern bildeten einen eigenen Dachverband (UPJ). Daneben entstand zwei Jahre nach der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands (ORD) auch ein Zusammenschluß liberaler Rabbiner (ARK). Dieser „Austritt“ der Liberalen machten den Orthodoxen die Arbeit leichter.
Aber ist das schon genug, um die Zukunft des Judentums in Deutschland zu gewährleisten?
Juden in Deutschland und die jüdische Welt
Bevor ich eine Antwort auf diese Frage wage, zunächst noch eine kleine Anmerkung.
Die Juden im Nachkriegsdeutschland waren weitgehend isoliert von der jüdischen Welt. Als Jude nach dem Holocaust in Deutschland geblieben zu sein, oder selbst, wie ich, dort nur geboren zu sein (was ja nicht meine Schuld ist), galt im günstigen Fall als suspekt, den meisten aber geradezu als schandhaft. Der beste Beweis dafür ist das bekannte israelische Meinungsbarometer „Taxifahrer“. Als ich Anfang der 90er-Jahre noch als Student einige Male Israel besuchte, reagierten Taxifahrer entsetzt: Du bist aus Deutschland? Was hat ein Jude da zu suchen? Komm schnell nach Israel! Und was ist die Reaktion heute? Du bist aus Deutschland? Neulich war ich ein Wochenende in Berlin- so höflich und effizient, da können wir Israelis von lernen! Und die besten Autos machen sie sowieso! Ein Indiz dieser veränderten Einstellung ist auch die große Zahl von Israelis, die sich in Deutschland dauerhaft niederlassen.
In der Vergangenheit also waren die deutsch-jüdische Geschichte und die daraus folgernde fehlende Akzeptanz für die Idee des Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland, ja für die Idee als Jude in Deutschland überhaupt zu leben als solche, ein wesentlicher Hinderungsgrund für eine Besserung der Sitauation. Dies ist heute nicht mehr der Fall (ob zu Recht oder zu Unrecht, sei hier nicht diskutiert) und sollte ein weiterer Grund zu Optimismus sein.
Was verspricht die Zukunft?
Kann aus dieser dunklen jüngeren Vergangenheit und nicht immer noch trist-trüben Gegenwart also vielleicht doch eine helle Zukunft hervorleuchten?
Die traditionellen Gemeindestrukturen können nichts bieten, was die Möglichkeit einer fundamentalen Wende realistisch erscheinen lässt. Und die oben beschriebenen „parallelen Strukturen“ können ebenfalls nur punktuelle Arbeit leisten. Es fehlen ihnen weitestgehend die Beziehungen zu staatlichen Stellen und der Zugang zu staatlichen Mitteln, über die die Jüdischen Gemeinden verfügen, aber sie leider nicht effizient für originär jüdische Interessen einsetzen. Ein Chabad-Rabbiner kann eine Synagoge einrichten, vielleicht auch einen Kindergarten, und sogar eine Mikwe bauen. Er kann auf jüdische Menschen zugehen und ihnen authentische jüdische Werte vermitteln. Aber das alles ist kein Ersatz für eine starke, „mitgliederbasierte“ Gemeinde, und sein größter Erfolg ist es, wenn einige junge Menschen unter seinem Einfluß religiös werden – um sich dann, da ihnen ihre Heimatstadt nicht bieten kann, was sie als religiöse Juden brauchen, in Israel, den USA oder andernorts in einer großen und stabilen jüdischen Gemeinde niederzulassen.
Und wie erst können wir die ständig steigende Zahl derjenigen Juden erreichen, die nicht Gemeindemitglieder sind? Neben ca. 90.000 Mitglieder jüdischer Gemeinden leben in Deutschland mindestens noch einmal so viele „gemeindelose“ Juden: ca. 20.000, die aus den Gemeinden ausgetreten sind, realistisch ca. 50-100.000 Israelis (obwohl lt. Mikrozensus nur 25.000), und eine schwer einzuschätzende Zahl von Menschen, in Deutschland geboren oder eingewandert, die sich als Juden identifizieren und es halachisch auch sind, jedoch niemals Gemeindemitglieder waren. Die Gemeinden können ihnen nichts bieten: Mit russischen Pensionären Wodka trinken und Schmalzhering essen? Israelische Volkstänze lernen, die in Israel keiner mehr kennt? In der Synagoge sitzen, wo auf russisch die Seitenzahl im Siddur angesagt wird? Warum sollte das einen „Yiggy“ (Young Israeli in Germany) interessieren?
Eine Nebenbemerkung zu dem Phänomen „Israelis in Deutschland“: Heute sind es nicht mehr die Juden in Deutschland, die auf gepackten Koffern sitzen, um nach Israel auszuwandern, sondern die Israelis (oftmals Enkel von Holocaustüberlebenden), um sich in Deutschland niederzulassen. Ein Thema, das ich s.G.w. noch in einem separaten Artikel behandeln will.
Wenn man an also an einer Kontinuität jüdischen Lebens in Deutschland interessiert sein sollte, wäre eine komplette strukturelle Änderung notwendig. Es ist völlig unbestreitbar, dass die Vermittlung authentischer jüdischer Werte an die nächste Generation unter orthodoxen Juden am besten funktioniert. Wobei ich unter „orthodoxen Juden“ solche verstehen, die sich wirklich an die Halacha halten und ihr Leben an den Geboten der Thora ausrichten. Und nur in Ländern mit einem hohen Anteil orthodoxer Juden ist die jüdische Gemeinschaft stabil, selbst wenn die absolute Zahl der Juden nicht groß ist – Beispiel Südafrika, Schweiz, Australien.
Wenn etwa 20% der Juden in Deutschland „aus eigenen Stücken“, nicht als „jüdische Funktionäre“ (Rabbiner, Lehrer etc.), echte orthodoxe Juden wären, wäre die Kontinuität und Stabilität jüdischen Lebens in Deutschland gesichert. Eine solche Präsenz orthodoxer Juden würde auch auf die weniger religiösen Gemeindemitglieder, ja selbst auf die „Gemeindelosen“ ausstrahlen, wie ich aus eigener Erfahrung bezeugen kann: An den unmöglichsten Orten wurde ich, eindeutig als „Charedi“ („Ultraorthodoxer“) erkennbar, bereits von Israelis angesprochen.
Aber warum sollte ein solches Wunder geschehen? Warum sollten tausende orthodoxer Jude sich ausgerechnet in dieser jüdischen Wüstenei, mit seiner problematischen Vergangenheit, niederlassen?
Der Riß also, den ich am Anfang des Artikels beschrieb, „zwischen der geistigen Armseligkeit der heute in Deutschland lebenden Juden und der reichen Vergangenheit spezifisch jüdischer Werte vor dem Holocaust“, er wird wohl, wenn kein Wunder geschieht, nicht zu reparieren sein.
Was uns nicht von der Pflicht befreit, solange Juden in Deutschland leben, diesen so gut wie möglich zu helfen, mehr über ihr jüdisches Erbe zu lernen und ein jüdisches Leben zu führen.